Karst und Adria - Gradisca d'Isonzo nach Duino

26.09.2020

Ausgeschlafen und gestärkt mit einem exzellenten Frühstück mit Müsli, frischen Früchten, Ei mit verschiedenen Schinken, Bergkäse, Hartkäse, Dolce, besondere Teesorten, Pizza, u.v.m., brechen wir erst gegen 10.30 Uhr bei bewölkten Himmel, aber trockener Straße auf. Aus der Stadt raus geht es zu einer alten Bekannten, der Soca, die hier in Italien Isonzo heißt. Nach dem Regen der letzten Tage hat sie Hochwasser, ist braun und zu einem reißenden Fluss geworden. Im Hintergrund sind die Berge des Friuli zu sehen - weiß voller Neuschnee. Was haben wir für ein Glück, dass wir die hohen Berge bereits hinter uns haben, denn auf Schnee und Kälte sind wir wander-kleidungs-technisch nicht eingestellt. Von unserem ersten Etappenziel des Tages, dem Monte S. Michele, einem hart umkämpften Berg des 1. Weltkrieg, können wir den ersten Blick auf die Adria nehmen. Es ist schon krass, nach Nordosten sieht man den ersten Schnee auf den Spitzen der Berge, die vor einigen Tagen noch zum Greifen nahe waren und im Südwesten schon die Adria Küste mit dir Stadt Triest, die wir in fünf Tagen zum Abschluss unseres Alpe Adria Trailer besuchen werden. Die Aussicht von diesem Monte ist, auch bei einigen Wolken am Horizont gigantisch.  Nach dem Panorama geht es den Karst bergab, immer wieder ein Blick auf das Meer.

Woran denkst du, wenn du dir das Karstgebirge vorstellst? - Genau so ist es mir auch gegangen zerklüftete, weiß -graue, löchrig-poröse Felsstruktur mit Höhlen und Spalten und Winnetou fallen mir beim Karst als erstes ein. Doch auf dieser Etappe können wir uns überzeugen, dass der Karst alles andere als karg ist. Der Niederwald ist geprägt von einer Buschlandschaft, weißen Kalksteinen und Kalkfelsen, so wie der sehr fruchtbaren "terra rosso".  
So begleitet uns ein farbenprächtiger Weg bis zu unserem Zwischenstopp in Lamiano. Eigentlich hätten wir an einem See "Lago di Doberdo" vorbei kommen sollen, doch leider ist der Trail ab dem Ort Doberdo deli Largo nicht nur schlecht bis gar nicht ausgeschildert, sondern auch noch im Streckenver-lauf verändert worden. In eine Bona Natura klettern wir nicht nur über umgestürzte Bäume, sondern auch über Elektrozäune. Ein echtes Abenteuer. Nach fast sieben Stunden erreichen wir unser Hotel Pahora. Nach der warmen Dusche gibt es zum Abendessen eine köstliche, frische Brase mit gebratenen Kartoffeln und mediterranem Gemüse . Dazu einen guten Weißwein und einen Cafe. Wer die über 30 km Etappe von Cradisca nach Duino unterbrechen möchte, trifft mit diesem sehr schönen Hotel, welches traditionelle Zimmer mit modernem Bad und einen reichhaltiges, abwechslungsreiches Frühstück bietet, eine gute Wahl. 

Der weitere Weg nach Duino ( 10 km) bietet landschaftlich wieder eine neue Facette. Zum beschriebenen Karst wechselt die Szenerie zu den südlichsten Hängen Friauls mit Blicken auf den Hafen von Monfalcone und das Mare Adriatico. In S. Giovanni del Timavo sprudelt der Timavo hervor, der in Slowenien entspringt und über 40 km unterirdisch durch Karstgestein fließt, ehe er in die Adria mündet. Wir lernen, dass diese unterirdischen Flüsse für das Karstgebirge charakteristisch sind und dort, wo sie an die Erde kommen Seen bilden können, wie den Lago di Doberdo.  Gegen  12.00 Uhr erreichen wir unser Hotel Aurora und können zum Glück schon unser modernes puristisch, aber technisch Topp ausgestattete Zimmer beziehen. Dann stellt sich die wichtigste Frage des Tages, wo geht es hier denn to the beach?

Die Vorfreude auf das Meer war riesengroß und wuchs um so mehr je näher wir kamen. Ein erster, noch ferner Blick vom Mounte S Michele und immer wieder mal heute Morgen, war es zum Greifen nahe. Es ist schon ein anderes Gefühl am Meer zu sitzen wenn man mit den eigenen Füßen fast 300 km hingewandert ist und dafür gute 2 Wochen braucht, als wenn man ins Auto oder Flugzeug steigt und in ein paar Stunden ankommt. So sitzen wir da und hängen unseren Gedanken nach, denn es hat sich bereits zugezogen und aus dem Sprung in die Adria wird heute leider nichts mehr. Hinzu kommt noch, dass der Kiesstrand wirklich winzig und zu dem gerade gesperrt ist. Auch Duino ist sehr klein und hat neben dem Schloss nicht wirkliche viel zu bieten. Auf Schlossbesichtigung haben wir heute keine Lust und so bleibt noch genügend Zeit zum Entspannen.